Dienstag, 18. Oktober 2016

Kommentar zur Welle des Spotts über Xavier Naidoo

Eine Welle des Spotts ist schon immer denen entgegengeschlagen, die einfach nur die Wahrheit sagen. Im Mittelalter landeten sie auf dem Scheiterhaufen, weil sie behaupteten, die Erde stünde nicht fest im Zentrum der Welt. Was sagt uns das?
Dass jeder, der den Status Deutschlands anzweifelt, der meint, es gäbe so etwas wie Chemtrails, Wettermanipulation oder Mind Control sofort als Spinner oder Verschwörungstheoretiker gilt. Warum?
Weil manche Wahrheiten für den Einzelnen zu ungeheuerlich sind. Man lebt lieber mit der Lüge (deshalb sind Populisten so beliebt) und schert sich einen Dreck um unliebsame Wahrheiten (das wissen vor allem die Mächtigen). Platon hat dieses menschliche Dilemma im Höhlengleichnis aufs Korn genommen. Denn der, der sich aus der Höhle befreit und die Wahrheit erkennt, wird nach seiner Rückkehr (um den anderen davon zu berichten) nur verspottet und am Ende sogar erschlagen.

Samstag, 25. Juni 2016

Zum Brexit

Nun ist es also passiert. Die Briten gehören nicht mehr zur Europäischen Union. Ist das der Anfang vom Ende Europas? Gut möglich, könnte man meinen. Denn was ist, wenn die Franzosen unter Marine Le Pen mit einem Referendum folgen und danach die Holländer, Spanier oder Portugiesen? Die Griechen ja sowieso.
Als ich die ersten entsetzten Stimmen aus Brüssel vernahm, vor allem das Geschwafel von Jean Claude Juncker im ZDF, da konnte ich mich für einen kurzen Moment des Eindrucks nicht erwehren, Erich Honecker sei wieder auferstanden, etwas geliftet und geglättet, aber im Grunde Honecker, der irgendwas von sozial laberte und ... man konnte es nur schwer verstehen, so wie einst bei Honecker, der ganze Silben mit seiner Fistelstimme übersprang. Ganz gleich, was er sagte, es war im Grunde egal, denn Honecker stand für ein verknöchertes und überaltertes Politbüro, das den Kontakt zum eigenen Volk verloren hatte und fernab der Wirklichkeit in einem Kokon agierte. Am Ende glaubte dieser Riege alter Männer eh niemand mehr.
Leider ist der Vergleich von Jean Claude Juncker mit Honecker nicht allzu weit hergeholt, wenn es um die Symbolik einer gescheiterten Politik geht. Einer gescheiterten Europapolitik, die nicht die Interessen ihrer Mitgliedsstaaten vertritt und schon gar nicht die Interessen ihrer Bürger. Dabei war man nach der Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht (1992) mit so viel Hoffnung in eine neue Ära europäischer Politik gestartet. Ein geeintes Europa sollte her. Ein Europa, das Vorbild sein sollte für Sicherheit und Zusammenarbeit, für gemeinsame Interessen und gemeinsamen Wohlstand. Stattdessen entwickelte sich Brüssel – wie sollte es auch anders sein – in rasantem Tempo zu einem hochkorrupten Zentrum von Bürokraten und Lobbyisten. Nicht zum Wohle der einzelnen Mitgliedsstaaten wurde Politik betrieben, sondern im Interesse multinationaler (Finanz-) Konzerne und ihrer Lobbyistenverbände. Kein Wunder also, dass die Menschen irgendwann die Nase voll haben, weil sie merken, dass Brüssel alles andere tut, nur nicht das, was einst im Vertrag von Maastricht formuliert worden war. (Genauso wie die NATO gerade alles andere tut als das, was durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 Russland gegenüber zugesichert wurde, nämlich dass es keine NATO-Osterweiterung geben wird.)
Der Unterschied zwischen Honecker und Juncker ist allerdings ein gewaltiger. Denn die Mächtigen in Brüssel sind nicht gleichzusetzen mit einem überalterten Politbüro der Marke DDR, das vor lauter Altersschwäche in sich zusammenfiel. Ganz im Gegenteil. Sie verkörpern den langen Arm der globalen Hochfinanz, der Konzern- und Monopolinteressen. In Luxemburg war Juncker bester Freund der Großkonzerne, die mit Hilfe seiner Regierung Milliarden Euro am Fiskus vorbeischleusten. Zu Lasten des Gemeinwesens, versteht sich.
Wie tief der Brüsseler Sumpf von Korruption und Vetternwirtschaft geworden war, zeigte Anfang der 2000er Jahre die Dutroux-Affaire – das Ermittlungsverfahren gegen den Kinderschänder, Mörder und Dealer Marc Dutroux, dessen Aktivitäten Kreise bis in höchste politische Ämter zogen. Dementsprechend wurde vertuscht und gemordet, was das Zeug hielt. Allein von 2001 bis 2004 verstarben nach Dutrouxs Verhaftung 27 Zeugen, die im Prozess aussagen wollten. Sogar die Presse half dabei mit, Opfer und Ermittler unglaubwürdig zu machen, um selbst keine Probleme zu bekommen.
Nach all dem, was ich über Brüssel gehört hatte, hab ich mir „das Herz Europas“ vor zwei Jahren etwas genauer angesehen. Man braucht bloß mal durch die Straßen des Regierungsviertels schlendern und die vielen Schilder lesen von Firmen und Verbänden, die sich dort angesiedelt haben. Erschreckend zu sehen, wie viele amerikanische Verbände darunter sind. Einflussreiche Lobbyistenverbände, die ihre Büros gleich um die Ecke haben – gegenüber dem Europäischen Parlament. Manche Lobbyisten brauchen nicht mal über die Straße gehen, sie nehmen einfach einen Verbindungsgang, der sie von einem Gebäude ins andere führt. Brüssel ist für sie die Washingtoner Außenstelle, gewissermaßen die amerikanische Botschaft ihrer Finanzinteressen.
Die Amerikaner haben Brüssel also längst infiltriert und der Brexit dürfte auch ganz in ihrem Sinne sein. Warum? Weil Großbritannien mit der City of London eh zum britisch-amerikanischen Empire gehört und ein geschwächtes Europa besser zu den globalen Großmachtsansprüchen passt als ein starkes. Auch die Sanktionen gegen Russland sind im Grunde nur ein Mittel, Europa zu schwächen (denn auch der deutsche, französische oder italienische Mittelstand leidet massiv darunter).
Die globale Politik der Amerikaner (damit sind natürlich nur die Eliten gemeint, die Vertreter des militärisch-industriellen Komplexes) ist am ehesten mit der Politik des Römischen Reiches zu vergleichen, die darauf ausgerichtet war, in allen Außenbezirken Stadthalter zu installieren, die uneingeschränkt römische Interessen vertraten. Heute ist das, nur mit anderen Vorzeichen, nicht viel anders.
Bei ihren Mitteln sind die USA nicht zimperlich. “Ideologisch flexibel“ könnte man ’s auch nennen. Ganz gleich, ob Taliban, IS-Krieger oder Nazis in der Ukraine, alles kein Problem, solange US-amerikanische Interessen vertreten werden. Während des Kalten Krieges wurden Diktaturen unterstützt oder installiert, heute werden ganze Länder und Regionen destabilisiert, nur um an die Ressourcen ranzukommen. Amerikanische Außenpolitik dient ausschließlich dem militärisch-industriellen Sektor und den Großkonzernen. Ihre Verbündeten sind eher Vasallen als gleichberechtigte Partner.
Selbst Deutschland verhält sich im Grunde wie ein Protektorat, das amerikanische Interessen vertritt, fühlt sich dem transatlantischen Bündnis uneingeschränkt verpflichtet, sodass die Worte Steinmeiers, die NATO betreibe an der russischen Grenze Säbelrasseln und Kriegsgeheul, tagelang für Irritationen sorgten – bis die Nachricht vom Brexit alles übertrumpfte.
Sehr verwunderlich übrigens, dass Cameron noch bis Oktober im Amt bleiben soll. War der Brexit vielleicht eine längst beschlossene Sache? Eine lancierte Undercoveraktion zur Durchsetzung britisch-amerikanischer Großmachtsansprüche? Ein Schelm, wer Böses denkt?
Was aus Europa wird, kann derzeit niemand sagen. Bleibt abzuwarten, welche Wendungen die politischen Entwicklungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten nehmen. Ein geschwächtes Europa allerdings in einen Krieg mit Russland hineinzutreiben, wäre wohl das Schlimmste, was passieren könnte.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Nachtrag zur Sendung Hart aber fair vom 24.5.2016 zum Thema Smartphones

Wenn nun sogar schon in einer Sendung, die den Anspruch erhebt, den Dingen auf den Grund zu gehen, hübsch an der Oberfläche geplänkelt wird, dann ist das nicht nur enttäuschend, sondern schlichtweg erschreckend! Weswegen ich nicht umhinkomme, einen kleinen Nachruf zu verfassen. Diesmal ging es bei Plasberg ums Thema Smartphones, ob sie nun gut sind oder dumm machen. Sogar Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar sieht das Thema ganz harmlos, im Sinne von es wird vorrübergehen und man wird sich drauf einstellen. Mich erinnert das an das Aufkommen des Nationalsozialismus, wo auch alle gemeint haben, das sei nicht so schlimm, man müsse sich nur entsprechend drauf einstellen. Keiner in der Runde macht auch nur eine Sekunde auf die Schattenseite aufmerksam (abgesehen vom krummen Rücken, vom Abgelenktsein und  von psychischen Problemen). Lediglich die Bemerkung fällt, Deutschland verliere den technischen Anschluss an Amerika (und China). Kein Wort dazu, warum das so ist und welche Strategie hinter der ganzen Technisierung steckt. Unglaublich! Das nicht zu sehen liegt nicht an mangelnder Intelligenz, sondern daran, dass es zwei Klassen von Menschen gibt. Für die eine, zu der auf jeden Fall Yogeshwar zählt, existiert nur die Tagseite, das heißt, diese Menschen beschäftigen sich nur mit dem, was sie sehen. Alles, was sie nicht sehen, also das, was im Dunkeln liegt, zählt für sie nicht, ja es existiert schlichtweg nicht. Sie ignorieren voll die Nachtseite, vielleicht sogar unter dem Deckmantel, was soll ich mich mit etwas beschäftigen, was man nicht sieht. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn zu sagen, es gebe nur Tag, aber nicht Nacht, wäre naiv. Man muss nicht Politikwissenschaft studiert haben, um zu wissen, dass die großen Deals auf diesem Planeten, ganz gleich ob es sich um Drogengeschäfte, Waffengeschäfte oder Deals von noch größerer Tragweite handelt, nicht im Licht der Öffentlichkeit über die Bühne gehen, sondern im Dunkeln hinter verschlossenen Türen. Das hat den Grund, dass auch das Universum so aufgebaut ist. Unsere physikalischen Gesetze liefern Erklärungen für all die Dinge, die wir sehen und erleben. Aber sie sind nicht essenziell, ganz im Gegenteil. Sie sind Blendwerk. Denn sie gehorchen Gesetzen, die im Hintergrund agieren, eine oder mehrere Ebenen dahinter. Wenn an Sternhaufen unsichtbare Kräfte zerren, Energien von unvorstellbarem Ausmaß, die mit den uns bekannten Gesetzen der Physik nichts am Hut haben, dann zerren an unseren Smartphones, Apps und Tablets ebensolche Energien ... Und Vorsicht! So obercool diese Geräte auch sein mögen und so sehr man auch den Eindruck gewinnt, sie seien nur für uns gemacht, ganz nach dem Motto Hauptsache ihr habt Spaß ... Fehlanzeige! So gut sind die Leute im Hintergrund nicht, die uns diese Spielzeuge an die Hand geben. Haben Sie sich – wenn Sie Kinder haben – schon mal gefragt, was der Sinn von Spielzeug ist, das man Kindern schenkt? Verbinden Sie damit eine Intention? Denken Sie mal darüber nach. Auch diejenigen, die uns unsere Erwachsenenspielzeuge an die Hand geben, verbinden damit eine Intention. Aber halt! Ich meine nicht diejenigen, die die Smartphones herstellen. Die mögen lediglich die Intention haben, möglichst viele davon zu verkaufen. Nein, ich meine die, die genau wissen, welchen Nutzen man aus unseren Erwachsenenspielzeugen zieht. Das neue NSA-Datenzentrum in Utah ist so groß wie Zwickau. Zweimal Zwickau, nämlich oberirdisch und unterirdisch, voll mit Computern und vermutlich – Genaues weiß man nicht, weil eben alle Dinge von großer Bedeutung im Geheimen ablaufen – sogar schon mit Quantencomputern. Haben Sie eine Ahnung, welche Rechenleistung die haben und wozu die gut sind? Um Terroristen aufzuspüren? Was glauben Sie, von welchem Geld dieses Rechenzentrum bezahlt ist? Wissen Sie eigentlich, was auf diesem Planeten abgeht? Ich weiß es auch nicht. Aber wir wären Narren, wenn wir glaubten, dass das, was sich ereignet, das wahre Geschehen sei. Ganz gleich, ob wir Galaxien, Sterne oder Akteure einer Weltgesellschaft betrachten, was wir sehen ist immer nur die Tagseite. Der Wahrheit kommt man aber nur auf die Schliche, wenn man auch die Nachtseite in Betracht zieht.

Bezogen auf unsere Welt, also die Welt der Smartphones & Tablets, heißt das: Es gibt außer der zivilen Welt, die wir (z. B. in der Tagesschau) beobachten bzw. beurteilen können, noch eine nicht-zivile Welt. Das ist die Welt des sogenannten militärisch-industriellen Komplexes. Genau jene Welt nämlich, die wir nicht sehen können, weil sie im Hintergrund agiert. Mit Finanzmitteln, die nicht von dieser Welt sind. Das sollten wir immer im Hinterkopf haben. Ihr Ziel? Die neue Weltordnung. Eine Menschheit, die sich technisch lenken und beherrschen lässt. Dazu gehören die Beherrschung des Wetters bis 2025, die Veränderung der Atmosphäre mittels chemtrails (Geoengineering) und die Steuerung von Affektzuständen ganzer Menschengruppen über smart dust. Klingt beängstigend? Ist es auch. Wird aber trotzdem gemacht, ganz gleich, ob wir das für Unsinn, Verschwörungstheorie oder was auch immer halten. Was wir tun können? Zu diesen Themen recherchieren, uns selbst ein Bild machen und die Dinge publik machen.
https://www.youtube.com/watch?v=w2j7At6Keas
Auch TTIP wäre schon längst in Sack und Tüten, mit privaten Schiedsgerichten, die jede parlamentarische Kontrolle unterlaufen, wenn es nicht ein paar Leute gegeben hätte, die das an die größere Glocke gehangen haben.  

Dienstag, 3. Mai 2016

Zur TTIP-Offenbarung in Berlin

Ja, wir leben in bewegten Zeiten! Aber die Zeiten, in denen wir mit Mondlande- und anderen Lügen abgefertigt wurden, sind vorbei. Man kann eben nicht mehr alles unter den Teppich kehren und schnell mal bei Nacht und Nebel TTIP durch das Europaparlament winken. Durch die Greenpeace-Enthüllungen sind nun Einzelheiten ans Licht gekommen, die im Grunde schon lange bekannt waren, aber nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt hätten. Nun wurden sie gleich in großen Lettern auf den Reichstag projiziert. Eine klasse Idee, die zeigen soll, wir lassen uns nicht völlig verarschen.
Und da das Kind erst mal in den Brunnen gefallen ist, wurde prompt auf allen Kanälen verkündet, nein, man hätte niemals zugelassen, dass europäische Standards verletzt würden. Andererseits wird zugegeben, dass der Lobbydruck der Amerikaner immens groß sei, ungebrochen groß. Wenn TTIP nicht von Seiten einiger Weniger an die große Glocke gehängt worden wäre, dann hätte man ’s samt Genfleisch und Privatgerichten durchgewunken. Hermetisch abgeriegelt hinter verschlossenen Türen. Aber immerhin, ein erster Teilerfolg ist errungen. TTIP muss neu verhandelt werden.

Freitag, 18. September 2015

Zur Flüchtlingskrise

Man muss sich das mal vor Augen halten: Da reagieren Banker in Bruchteilen von Sekunden auf Kursschwankungen an der Börse, aber Europa ist nicht in der Lage, innerhalb von Monaten auf die Flüchtlingskrise angemessen zu reagieren. Stattdessen schotten sich einzelne Staaten ab, errichten Stacheldrahtzäune gegen die Flüchtlinge und stecken sie ins Gefängnis. Das kommt dabei raus, wenn Politik nicht das leistet, was sie eigentlich leisten soll, nämlich menschliches Zusammenleben in der Ganzheit zu regeln.
Toll, dass Angela Merkel, die begnadete Mikadospielerin, die immer erst abwartet, bis das vorletzte Holzstäbchen gefallen ist, dann doch noch den Mut gehabt hat, ihrer Rolle als Mutti der Kompanie Deutschland gerecht zu werden. Und auf einmal sind die Deutschen von schnauzbärtigen Hitlerkarikaturen (Merkel) und stahlharten Finanzfuzzis (Schäuble) mutiert zu einem Hippie-Volk um Mutti Teresa (Angela), was noch vor ein paar Monaten niemand geglaubt hätte. Schon gar nicht, als im Land die Asylheime brannten und die Nazis ihr Unwesen trieben (Goethe hatte also recht, als er Mephisto die Worte in den Mund legte, ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft).
Mit dem Flüchtlingsproblem ist es so ähnlich wie mit PEGIDA. Wer gegen die Armen auf die Straße geht oder glaubt, sie würden uns unseren Wohlstand wegnehmen, der geht nicht gegen die Reichen vor, nicht gegen die, die uns unseren bescheidenen Wohlstand tatsächlich wegnehmen. Dadurch, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird und wir mehr und mehr zum Spielball der Superreichen und ihrer Lobbyistenverbände werden (gegen die errichtet niemand Zäune, ganz im Gegenteil – die werden in Brüssel und Washington hofiert und wenn ein paar bewusste Zeitgenossen nicht aufgepasst hätten, hätten wir schon längst privatisiertes Wasser und private Schiedsgerichte zur Durchsetzung ihrer Profitinteressen). Und während ganz Europa mit dem Flüchtlingsproblem zu kämpfen hat, können die Reichen in aller Ruhe ihr Finanzimperium ausbauen. Niemand – oder besser, fast niemand – hindert sie daran, weil alle – fast alle – mit den Ängsten vor den Armen beschäftigt sind. Besser könnte es für die Reichen und Mächtigen dieser Welt gar nicht laufen. Der IS, Syrien, der Irak und Afghanistan sind nur Auswüchse einer skrupellosen Politik, die aus Gründen milliardenschwerer Geldgeschäfte vom Westen – allen voran den USA* –, aber auch von Russland betrieben wurde. Über Jahrzehnte hat man diese Länder gezielt destabilisiert, hat mit korrupten Machthabern und Splittergruppen Geschäfte gemacht und diese Regionen ausgebeutet (was heißt hat, das ist im Grunde immer noch so). Man denke nur an die ganz großen Deals. Die, die auf diesem Planeten die meisten Gewinne abwerfen ... Öl, Drogen, “Rüstungsgüter“. Der Volksaufstand gegen Assad und der sich jahrelang hinziehende Bürgerkrieg mündete schließlich in einen Religionskrieg – der ideale Nährboden für dschihadistische Bewegungen wie die des Islamischen Staates.
Und solange der IS die Welt in Atem hält, kann Assad weiter sein Volk meucheln und die Türken die Kurden. Die Armen flüchten derweil, ertrinken im Mittelmeer oder halten Europa auf Trab, sodass die Eliten weiter ihre Geschäfte machen, ohne dass das irgendjemanden interessiert, geschweige denn, dass irgendwas dagegen unternommen wird. So funktioniert moderner Massenkapitalismus. Die Flüchtlingskrise ist hausgemacht und im Grunde längst überfällig, so wie die Finanzkrise 2008 überfällig war.
Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner? Hier: Wenn wir die Flüchtlingskrise nicht als lästigen Auswuchs ansehen, den wir am liebsten operativ entfernen möchten, dann sollten wir uns darauf einstellen und die Zuwanderung als Chance sehen. Sicher, unser Land wird sich dadurch verändern. Aber auch Amerika war einst ein Land der Einwanderer und hat gerade deshalb Großes vollbracht. Warum also sollten wir vor den Migranten Angst haben. Oder hat irgendjemand vor denen in der Fußball-Nationalmannschaft Angst? Wohl kaum. Deutschland ist ja 2014 Weltmeister geworden.

* Deswegen hat die Regierung Venezuelas gleich mal ein Einreiseverbot gegen den früheren US-Präsidenten George W. Bush und andere prominente US-Politiker verhängt. Auch Ex-Vizepräsident Dick Cheney, der ehemalige CIA-Chef George Tenet und mehrere Kongressmitglieder stehen auf der Liste. Als offizieller Grund hierfür wird laut AFP (Agence France-Presse) der Terrorismus der besagten Personen im Nahen Osten genannt.)

Montag, 1. Juni 2015

Zum FIFA-Skandal 2015

Im Grunde offenbart der neuerliche FIFA-Skandal nur das, was eh schon seit Jahrzehnten klar war. So, wie lange vor Snowden klar war, dass wir abgehört und ausspioniert werden. Und so, wie wir uns unsere Smartphones nicht wegnehmen lassen, lassen wir uns auch den Fußball nicht wegnehmen. Lieber tanzen wir weiter nach der Pfeife derer, die uns unser modernes Leben mit so schönen Dingen wie Internet und Fußball versüßen, und gehen zur Tagesordnung über. Vielleicht in der Hoffnung, dass durch die Ermittlungen gegen namhafte FIFA-Funktionäre doch irgendwann eine Reform der FIFA in Gang kommt – aus sich selbst heraus. So, wie wir weiter hoffen dürfen, dass die NSA reformiert wird und dass von Washington und Brüssel aus eine Reform des weltweiten Finanzmarkts stattfindet. Doch sowohl das eine als auch das andere wird nicht stattfinden, wenn wir uns keine politischen Regelungsmechanismen auferlegen. Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass dies gelingt, zeigt die Wiederwahl Sepp Platters. Noch nie war Lobbyismus so weit verbreitet und erfolgreich wie heute, weil er inzwischen globale Dimensionen angenommen hat. Unter den verhafteten Sportfunktionären sind Weiße, Schwarze und Gelbe und die menschlichen Charaktereigenschaften haben sich seit Jahrtausenden nicht geändert, erst recht nicht bei denen, die an den Hebeln der Macht sitzen. Es sind immer die gleichen Typen. Soll das FBI doch gleich gegen alle ermitteln. Gegen die Lobbyisten in Washington, Peking und Brüssel, gegen die globalen Spielkasinobetreiber, gegen die Ratingagenturen und Steueroasen ... Die Liste hätte kein Ende.
Doch würden wir ernsthaft auf die Fußball-WM in Russland verzichten, auf unsere Smartphones oder gar das Internet? Wohl kaum. Und solange es nicht Menschen gibt, die den Schneid haben, zu sagen, da machen wir nicht mit, wird alles beim Alten bleiben. Dann werden im Namen des Weltfußballs Verträge formuliert, mit denen gegebenenfalls die Arbeitnehmerrechte außer Kraft gesetzt werden und durch die tausende Arbeiter in Katar beim Bau der Sportstätten vor die Hunde gehen. Wen interessiert das wirklich? Der massen-kapitalistische Hund, der seinen eigenen Schwanz jagt, kennt keine Moral. Nur eines ist schon jetzt klar wie das Amen in der Kirche: Wir werden – sofern wir da noch leben – das Spiel der deutschen Mannschaft in Russland und Katar bejubeln. Und wer weiß, vielleicht wird Deutschland 2022 ja wieder Weltmeister.

Sonntag, 15. Februar 2015

Tsipras – Erlöser oder Schreckgespenst?

Das, was gerade in Griechenland passiert, macht Mut! Oder anders: Wäre das, was gerade in Griechenland passiert, nicht passiert, dann wär' das ein weiteres Armutszeugnis gewesen für das, was Politik im Wesen ausmacht. Denn Aufgabe von Politik ist ja, in erster Linie die Interessen eines Landes zu vertreten und damit die Interessen seiner Bürger. Vereinfacht ausgedrückt könnte man die momentane Situation in Griechenland vergleichen mit der Situation in einer Familie – denn Menschen und Staaten verhalten sich ähnlich –, in der einer der Söhne zu einem Jurastudium verdonnert wurde, nur weil der Vater als oberste Autorität das so wollte. Obwohl der Sohn ganz andere Interessen hat, muss er das Studium größtenteils selbst finanzieren – durch Nebenjobs. Eine Zeit lang wird er versuchen, die Erwartungen des Vaters zu erfüllen, doch dabei wird er immer unglücklicher und kränker, bis er schließlich das Studium hinschmeißt und sich aus dem Würgegriff der familiären Konventionen befreit. Doch schwer krank und demoralisiert kommt er so schnell nicht wieder auf die Beine – die Mutter kümmert sich vorerst um ihn.
Nichts anderes ist gerade in Griechenland geschehen. Tsipras – die Mutter – hat eingesehen, dass das arg gebeutelte Volk – also der schwer kranke Sohn – so vor die Hunde gehen würde (welche Mutter würde das zulassen?) und hat ihm umgehend Heilung zukommen lassen, in Form von kostenlosen Lebensmitteln und Energie, dadurch, dass das Taschengeld angehoben wurde (Mindestlohn) und steuerliche Vergünstigungen der Eltern jetzt direkt in die Ausbildungskosten der Kinder einfließen (Vorteile für Minister und Abgeordnete werden gestrichen). Auch soll die Kommunikation in der Familie wieder stattfinden (das staatliche Fernsehen wird wiedereröffnet), was der Vater unterbunden hatte (was von der konservativen Vorgängerregierung aus Kostengründen abgeschaltet worden war) und Gelder des Vaters, die aus illegalen Geldwäschegeschäften stammen, sollen von nun an für die Ausbildungsfinanzierung verwendet werden (sprich: Kampf gegen Korruption und Steuersünder durch Aufdeckung von Auslandsguthaben). Zudem soll das Familienbudget in Zukunft offengelegt werden (öffentliche Aufträge werden auf Korruption hin untersucht).
Den Griechen wäre es nur zu wünschen, dass das Tsipras-Märchen wahr wird – Wolfgang Schäuble wird es eh nicht beruhigen –, denn immerhin ist der Traum eines ganzen Volkes, sich durch gewählte Volksvertreter aus dem Würgegriff der Finanzjongleure befreien zu können, erst einmal wahr geworden.